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"Der digitale Geist ist aus der Flasche"

Der Kommunikationsberater Klaus Eck bloggt seit elf Jahren. Seine Seite pr-blogger.de hat zurzeit knapp 2000 regelmäßige Leser. Im Interview spricht er über seinen Online-Alltag, die Chancen für Journalisten und Unternehmen im Web 2.0 und die Zukunft des Internets.

Herr Eck, haben Sie heute schon gebloggt?

Noch nicht. Aber ich werde nach dem Interview noch einen Blogbeitrag schreiben.

Aber getwittert, auf Facebook gewesen und Mails „gecheckt” haben Sie schon?

Das habe ich alles schon gemacht, ja.

Wie lange sollte man täglich im Web unterwegs sein, um gutes „Social Networking” zu betreiben?

Meinen Kunden sage ich immer, dass sie pro Kanal – also Twitter, Facebook und so weiter – mindestens eine Stunde pro Tag rechnen müssen. Wobei es dabei natürlich zu Überschneidungen kommt.

Wie sieht es bei Ihnen persönlich aus?

Da ich selbständig bin, muss ich das so sehr reduzieren und so effizient betreiben, dass ich ein bis zwei Stunden für alles einrechne. Online bin ich etwa zehn Stunden am Tag.

Es gibt unzählige Blogs mit den unterschiedlichsten Inhalten. Besteht hier nicht die Gefahr der Überfrachtung?

Im Endeffekt wird die Bloghäufigkeit ja über die Nachfrage geregelt. Wenn jemand Inhalte verbreitet, die kaum jemanden interessieren, stört das natürlich niemanden, aber der Blog wird auch nicht gelesen. Im Netz existiert eine Art Grundrauschen und jeder muss selber entscheiden, wie er das für sich nutzt. Am Kiosk suche ich ja auch die Zeitschriften heraus, die für mich relevant sind.

Welche Blogs lesen Sie gerne?

Auf dem amerikanischen Markt gefallen mir die Blogs von Steve Rubel und Louis Gray. In Deutschland gehört beispielsweise die Seite karrierebibel.de zu meiner Pflichtlektüre. Es gibt zahlreiche Blogs, die ich regelmäßig besuche.

Wie würden Sie den typischen Blogger von heute beschreiben?

Das kommt drauf an, wofür Sie den Blog betreiben. Ein Hobby-Blogger verarbeitet Inhalte ganz anders als jemand, der Blogging professionell betreibt. Wenn ich mich oder mein Unternehmen professionell vermarkten möchte, muss ich mir überlegen, was meine Kunden interessieren könnte, um mein „Personal Branding” zu stärken. Dann sollte ich möglichst aktuell und exklusiv sein, damit ich regelmäßig gelesen werde.

Das gilt für alle Bereiche des „Social Networkings”?

Ja, natürlich. Wenn ich bei Twitter nur darüber berichte, dass ich gerade esse oder Luft atme, ist das wahnsinnig spannend für einige wenige Menschen. Wenn ich aber schreibe, welche neuen Tools ich entdeckt habe, oder was ich als lesenswert erachte, werde ich für viele User interessant.

Wie kann man Web 2.0 effektiv nutzen?

Für Journalisten und Unternehmen bietet das Web 2.0 die Chance, eine eigene Medien-Marke zu kreieren. Bei den deutschen Twitter-Charts bin ich beispielsweise momentan auf Platz 18, worüber ich ganz glücklich bin. Das bietet mir die Möglichkeit, einer breiten Leserschaft meine Inhalte zu präsentieren. Diese große Chance hat im Prinzip jeder Journalist und jedes Unternehmen.

Aber besteht nicht auch die Gefahr, vieles falsch zu machen?

Ja. Aber die Firmen, die es versuchen, probieren es zumindest. Das Schlimmste ist, passiv zu sein. Ich fordere die Firmen eigentlich immer zum Experimentieren auf. Der Online-Markt wird es ohnehin richten: Wer ein schlechtes Produkt abliefert, wird einfach nicht gelesen.

Kann man mit Twitter und Co. Geld verdienen?

Durchaus. Ich persönlich twittere seit knapp drei Jahren und bekomme 20 bis 30 Prozent meiner Aufträge über diese Plattform.

Fünf Jahre weiter gedacht – sind Blog/Twitter möglicherweise längst in Rente, oder können sie sich langfristig behaupten?

Ob die Plattform Twitter in dieser Form bestehen bleibt, kann man heute nicht absehen. Das „Microblogging”, also kurze Nachrichten über das Web zu verbreiten, wird es aber sicherlich noch geben. Das ist mittlerweile eine Kulturtechnik geworden.

Wie sieht die Zukunft im Internet aus?

Der Einzelne und auch Unternehmen werden im Netz noch stärker abgebildet und vertreten sein. So können alle noch effizienter kommunizieren. Die Echtzeitsuche wird sicher noch perfektioniert werden. Maschinen werden hier abgelöst durch Personen, die nach meinen Bedürfnissen recherchieren. Und natürlich wird alles insgesamt noch schneller. Der digitale Geist ist aus der Flasche und kehrt nicht mehr zurück.

Interview: Christian Pack


Klaus Eck (45) hat sich auf die Bereiche Corporate Blogs, Social Media Marketing und Online Reputation Management spezialisiert. Mit seinem Unternehmen Eck-kommunikation hilft er beim Aufbau einer klaren Positionierung im Internet, baut die Online-Reputation von Unternehmen auf und setzt dazu auch die Social-Media-Möglichkeiten des Webs (Corporate Blogs, Facebook, Xing, Twitter) ein.
 
www.eck-kommunikation.de
www.pr-blogger.de

Klaus Eck

Klaus Eck
Foto: Privat